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im Bürgerfunk von Radio Westfalica (auf 95,7 und 106,6)
Die November-Sendung
Dienstag, 23. November 2004
18:04 bis 19:00 Uhr
Moderation: Inga Vehling, Jörn Schunk
Technik: Udo Wecke
Beiträge:
* Serie „Erneuerbare Energien“: Geothermie
* Serie „Lebewesen des Jahres“: Weißtanne
* Das Storchenjahr 2004 im Mühlenkreis
* Neue Arbeitsplätze im Naturschutz !
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Die einzelnen Beiträge :
Geothermie (von Jörn Schunk)
Mit der Geothermie stellen wir Ihnen in unserer heutigen Ausgabe aus der Reihe "Erneuerbare Energien" erstmalig eine Technik vor, die nicht von der Sonneneinstrahlung direkt abhängig ist.
O-Ton: Was verstehen Sie unter Geothermie ?
Wir haben gerade gehört, dass mit Geothermie die Nutzung der Erdwärme gemeint ist. Aber was ist nun diese Erdwärme? Und woher stammt sie?
Wir leben auf der Erdoberfläche und bedenken häufig nicht, dass die Erdmasse zu etwas 99 % heißer als 1.000 °C und nur zu 0,1 % kälter als 100 °C ist. Diese Wärme des Erdinneren entstammt zu etwa 2/3 aus dem Zerfall natürlicher, radioaktiver Isotope wie z.B. Uran oder Kalium und zu etwas 1/3 aus der Wärmezufuhr des Erdkern. Die hier gespeicherte Wärme ist eine Folge der bei der Entstehung der Erde wirkenden Gravitationskräfte. So wird vermutet, dass der Erdkern zwischen 4.000 - 5.000 °C heiß ist.
Bergleuten ist das seit Jahrhunderten bekannt. Je tiefer man in das Innere der Erde vordringt, desto wärmer wird es. So nimmt die Temperatur in nicht vulkanischen Regionen normalerweise um ca. 3 °C pro 100 m Tiefe zu.
In so genannten "Hochtemperaturgebieten" - z.B. in vulkanisch aktiven Regionen, gelangt flüssiges, heißes Gestein aus dem Erdinneren in die Nähe oder bis ganz an die Oberfläche. Hier stehen noch weit höhere Temperaturen auch zur technischen Nutzung zur Verfügung.
Die Nutzung der Erdwärme durch den Menschen begann daher schon vor einigen tausend Jahren mit dem Baden in heißen Quellen. Im Vordergrund standen Reinigung, Gesundheit oder religiöse bzw. spirituelle Zwecke. Derartige Badetraditionen sind aus Neuseeland, Japan, China, von den Römern und Türken und sogar von einigen Nordamerikanischen Indianerstämmen bekannt.
Nach der folgenden Musik schauen wir uns einmal genauer an, wie die Erdwärme technisch genutzt und welchen Beitrag sie zur allgemeinen Energieversorgung leisten kann.
Gerade haben wir erfahren, dass wir auf einem ziemlich heißen Planeten leben und woher diese Erdwärme stammt.
O-Ton: Wie kann man nun aber diese Erdwärme technisch sinnvoll zu Energiegewinnung nutzen?
Ein Verfahren zur Nutzung der Erdwärme ist die so genannte hydrothermale Geothermie. Hierbei wir versucht, heiße Tiefenwässer an die Erdoberfläche zu fördern und die über einen Wärmetauscher gewonnene Wärme in ein Fernwärmenetz einzuspeisen. Das meist sehr salzhaltige Thermalwasser wird anschließend über ein etwas weiter entferntes zweites Bohrloch zurück in den Untergrund gepumpt.
Wesentlich attraktiver sind vulkanisch aktive Gebiete, in denen sich Dampflager und heißes Gestein zur Wärmegewinnung nutzen lassen. Die Wirtschaftlichkeit ist dort besonders hoch, weil in geringen Tiefen besonders hohe Temperaturen vorliegen und die Bohrkosten damit sehr gering sind.
Besonders erfolgreich sind dabei existierende Anlagen in Island, Neuseeland, Kenia, Nicaragua oder Costa Rica. In diesen Ländern trägt die Geothermie bereits zwischen 5 - 20 % zur nationalen Stromversorgung bei.
Weltweit sind etwa 17.000 MW zur Wärmegewinnung und ca. 8.000 MW elektrische Leistung vorhanden. Zum Vergleich: die installierte Leistung aller 33 Braunkohlekraftwerke zwischen Köln und Aachen betrug 1998 ca. 10.000 MW.
In Deutschland kommen für das hydrothermische Verfahren nur drei Gebiete in Mecklenburg-Vorpommern, in Süddeutschland zwischen Donau und Alpen und der Oberrheingraben in Frage. So werden z.Z. 25 größere Anlagen mit einer Wärmeleistung von rd. 66 MW betrieben.
Die technischen Grundlagen für einen höheren Beitrag zur Energieversorgung in Deutschland liegen vor und sollten ausgebaut werden.
Weitere Informationen erhalten sie im Internet unter www. geothermal-energy.ch
Die nächste Folge aus unserer Reihe "Erneuerbare Energien" könne Sie dann im neuen Jahr hören. Wir werden uns dann mit dem Thema Nutzung der Biomasse auseinandersetzen.
Lebewesen des Jahres: Weißtanne (von Diana Tuleweit)
Weihnachten steht vor der Tür und in den nächsten Wochen geht der Weihnachtsbaumverkauf wieder los. Seit dem 16. Jahrhundert hat sich dieser Brauch, zur Winterzeit einen geschmückten Baum ins Haus zu holen verbreitet. Inzwischen werden jährlich ca. 30 Millionen Tannenbäume in Deutschland aufgestellt. Doch das ist es nicht, was dem Baum des Jahres, der Weißtanne, am meisten zusetzt. In vier Bundesländern bereits auf der Roten Liste, ist es hauptsächlich die Luftverschmutzung durch Verkehr und Industrie, die den früher weit verbreiteten Baum auf nur 2% der heutigen Waldfläche reduziert hat.
Die Weißtanne erreicht ein Höchstalter von 500 Jahren und wird bis zu 65 Meter groß. Damit überragt sie die anderen Bäume im deutschen Mischwald, alte Tannen bilden so eine zweite Baumschicht wie man es aus tropischen Wäldern kennt. Die weichen Nadeln schmecken nicht nur dem Wild, auch bei uns ist der daraus gewonnene Tannenhonig als Delikatesse beliebt. Das aus Nadeln und Rinde- die mit ihrer weißgrauen Farbe übrigens Namensgeber der Weißtanne ist- gewonnene Balsam dient als Grundlage für Bäder und Salben, denen eine entzündungshemmende Wirkung nachgesagt wird.
Auch das Holz wird verarbeitet, dabei spielt die Tanne jedoch verglichen mit den riesigen Fichten- und Kiefernvorkommen nur eine untergeordnete Rolle.
Wenn Sie nun beim nächsten Waldspaziergang das Glück haben, die bei uns seltene Weißtanne zu sehen, wird sie Ihnen durch ihre aufrecht stehenden Zapfen auffallen. Im Gegensatz zu anderen Nadelbäumen, die hängende Zapfen haben, sieht die Weißtanne aus,
als hätte die Natur selbst schon die Kerzen darauf gestellt. Im Herbst und Winter segeln die Samen nach und nach zu Boden, bis nur noch die mittlere Spindel der Tannenzapfen wie Spieße auf den Ästen stehen bleiben. Die Zapfen, die Sie als Ganzes am Boden liegend finden, stammen also von Fichten und Kiefern. Als Weihnachtsbaum ist die Weißtanne früher sehr beliebt gewesen, heute finden wir eher Nordmannstannen aus dem Kaukasus oder Edeltannen aus Nordamerika. Übrigens ist ökologisch gesehen der selbstgeschlagene Tannenbaum aus einem Waldbetrieb in Ihrer Nähe dem Baum im Topf vorzuziehen. Bei den Tannen mit Ballen werden die Wurzeln verstümmelt und die Winterruhe gestört so dass er- nach dem Fest ins Freie gepflanzt- leider erfriert.
Mehr zum Thema Öko- Weihnachtsbaum finden Sie auf der Homepage von Robin Wood.
Das Storchenjahr 2004 im Mühlenkreis (von Holger Hansing)
Hansing: Dr. Alfons Bense, Sie sind hier im Kreis Minden-Lübbecke Storchenvater. Seit wie vielen Jahren machen Sie das eigentlich schon ?
Bense: Ich betreue die Störche seit dem Jahr 2000, bin jetzt aber etwa 20 Jahre dabei.
Hansing: Im Kreis gab es mal ne ganz schlechte Zeit, wo die Population sehr klein war. Können Sie sich daran noch erinnern ?
Bense: Oh, ja, das liegt noch gar nicht allzu lang zurück Ende der 80er, Anfang der 90er Jahre war die Storchenpopulation runter auf drei Brutpaare hier im Kreis. Schlüsselburg, Windheim und Jössen, das waren die letzten Storchenpaare im ganzen Bundesland NRW.
Hansing: Was haben Sie oder was hat auch das Aktionskomitee zur Rettung der Weißstörche damals in die Wege geleitet, um jetzt wieder eine relativ große Population hier zu haben ?
Bense: Das Aktionskomitee "Rettet die Weißstörche im Kreis Minden-Lübbecke" gründete sich 1987, es wurden Flächen angekauft bis heute etwas über 400 Hektar möglichst in der Nähe der Storchenhorste und diese Flächen wurden so bewirtschaftet, dass letztendlich ein verbesserter Nahrungsraum für die jeweils ansässigen Storchenpaare daraus resultierte und in den letzten Jahren durch die steigenden Storchenzahlen sehen wir uns darin auch bestätigt.
Hansing: Wie sieht das Jahr 2004 in der Bilanz für die Weißstörche im Kreis aus ?
Bense: Das Jahr 2004 hat uns sehr positiv überrascht. Wir hatten zusammen 19 Brutpaare, immerhin flogen insgesamt 37 junge Störche aus, d.h. fast ein Schnitt von 2 ausfliegenden Störchen pro Brutpaar. Das ist ein wichtiger Wert, denn dort liegt ungefähr die Zahl der Jungstörche, die pro Paar und Jahr erforderlich ist, um den Bestand zu halten.
Hansing: Wo sehen Sie im Moment noch die Gefahrdungsursachen für den Weißstorch ?
Bense: Ganz grundlegend ist der Nahrungsraum zu nennen, in diesem Jahr 2004, waren die Bedingungen hier im Raum sehr günstig: Es war nicht zu nass, es war nicht zu kalt, es war nicht zu trocken, die Störche hatten für ihre Brut immer genug Nahrung, Regenwürmer, später dann Mäuse, 2004 war ein sehr gutes Mäusejahr [...]. Aber in den nächsten Jahren kann das wieder ganz anders aussehen, wir können uns nicht ausruhen, wir müssen für den Nahrungsraum sehr viel tun. Eine große Gefährdung sind nach wie vor die Überlandleitungen, [...] an denen etwa 10 Prozent der [...] Jungstörche tödlich verunglücken, bevor sie das erste Mal in die südlichen Winterquartiere überhaupt unser Land verlassen.
Hansing: Ja, Sie sprechen es an: die Winterquartiere. Welche sind das und gibt es da auch schon Maßnahmen zum Schutz der Störche ?
Bense: Die Winterquartiere teilen sich auf: Östlich der Weser brütende Störche ziehen überwiegend über die Ostroute, über Bulgarien, Türkei, Israel, Sudan bis runter nach Südafrika. Die westlich der Weser brütenden Störchen ziehen überwiegend über die Westroute, d.h. über Frankreich, Spanien, Marokko nach Westafrika. In den letzten Jahren hat allerdings die Zahl der Störche zugenommen, die bereits in Spanien überwintert,
In Spanien verenden offensichtlich noch sehr viele Störche an den dortigen Hochspannungsleitungen. Im Sudan ist es für den Storch recht gefährlich, immer wieder werden Störche geschossen, dort kommt es zu großflächigem Einsätzen von Insektiziden gegen Wanderheuschrecken z.B. und die toten Heuschrecken nimmt der Storch gern auf und irgendwann verendet er selbst daran.
Hansing: Letzte Frage, was möchten Sie den Menschen im Mühlenkreis mitgeben, was sollten sie für den Storch tun ?
Bense: Der Einzelne kann sich für den Lebensraum des Storches einsetzen, d.h. wir brauchen mehr Grünlandflächen, die möglichst extensiv bewirtschaftet werden.
Hansing: Herr Bense, vielen Dank für das Gespräch !
Neue Arbeitsplätze im Naturschutz (von Holger Hansing)
Man kann es sich kaum vorstellen, aber es gibt tatsächlich neue Arbeitsplätze im praktischen Naturschutz: Denn die gemeinnützige GmbH "Initiative für Arbeit und Schule", kurz IFAS, beschäftigt im Mühlekreis über 120 Langzeitarbeitslose und Sozialhilfeempfänger, die Gewässer und Schulhöfe
umgestalten. In dem Gewässerprojekt werden dabei vor allem Fließgewässer wieder in einen naturnahen Zustand zurückversetzt. Die Geschäftsführerin der IFAS, Petra Krinke, betont, dass das Projekt engagierten Arbeitslosen aus allen Berufssparten Perspektiven bieten kann: "Von der Qualifizierung, da haben wir keine besonderen Vorgaben, sondern uns ist wichtig, dass die Menschen [...] auch arbeiten wollen. D.h. wir haben die Projekte vorgestellt und [...] und wer dann es sich zugetraut hat, den haben wir eingestellt. Es ist nicht immer wichtig vom Fach zu sein, sondern Spaß an der Sache zu haben."
Träger des Projektes ist der Kreis Minden Lübbecke, oder genauer gesagt, dessen Untere Wasserbehörde. Dabei arbeitet der Mühlenkreis mit dem benachbarten Kreis Herford zusammen. Clemens Fuhrmann von der Unteren Wasserbehörde erklärt, woher das Geld für das Gewässerentwicklungsprojekt stammt: "Dadurch, dass es das Projekt gibt, sind die Leute sozialversicherungspflichtig angestellt und sind damit keine Sozialhilfeempfänger mehr, d.h. die Kreise sparen sich ja im Prinzip Sozialhilfeleistungen. Und da haben sich beide Kreis bereit erklärt, diese sogenannten ersparten Sozialhilfeleistungen als Eigenmittel zur Verfügung zu stellen und das macht dann unterm Strich 20 % der Gesamtkosten aus und die anderen 80 % ist praktisch eine Landesförderung."
Die Finanzierung des Gewässerprojektes ist bis 2004 gesichert, aber es liegen bereits Anträge für die Fortsetzung der Arbeit bis Ende 2006 beim Land Nordrhein-Westfalen vor. In den Kreisen Minden-Lübbecke und Herford beteiligen sich 13 Kommunen an der Renaturierung der Bäche. Da dies eine Menge planerische Arbeit bedeutet, teilen sich 3 Koordinatoren die Baustellenplanung und -leitung. Eine der Koordinatorinnen ist die Diplom-Ingenieurin Anke Schurzmann. Frau Schurzmann berichtet von einer aktuellen Gewässerbaustelle in Porta Westfalica - Eisbergen:
"Hier im Kreis Minden-Lübbecke sind wir gerade im Ortsteil Eisbergen für die Stadt PoW tätig. Eine Maßnahme, das ist am Twiesbach, das ist ein ehemaliges Mühlenwehr, das ist ein Absturz beispielsweise an dieser Stelle von 1,4 m, d.h. eine Fischwanderung kann nícht stattfinden und für Kleinstlebewesen, die könne diese Höhe nicht überwinden. D.h. man baut eine Sohlgleite, wir bauen nur mit natürlichen Materialien mit anschließender Erlenpflanzung
und den dazugehörenden Uferstauden natürlich."
Am Twiesbach in Porta Westfalica Eisbergen haben 8 Arbeiter der "Initiative für Schule und Arbeit" in den letzten 2 Monaten viel Handarbeit geleistet, um das Bachbett naturnah umzugestalten. Die Handarbeit in diesem ökologische sensiblen bereich wäre für die Kommune ohne das Projekt unbezahlbar. Das bedeutet für die 8 Arbeiter aber auch körperlich sehr anstrengende Tätigkeiten, wie z.B. im kalten Wasser Steine zu schleppen. Die Ingenieurin Anke Schurzmann betont, dass dieses Projekt nicht nur der Natur hilft, sondern auch das schlechte Image der heimischen Bäche aufpoliert:
"Gewässer werden leider als Bedrohung wahrgenommen, hat was mit Hochwasser zu tun, Überflutung, mit Dreck usw. Und die Wahrnehmung, dass es einfach schön ist ein mäandrierendes Gewässer vor der Haustür zu haben, dass ist leider häufig verloren gegangen. D.h. Naturerleben vor der Haustür wird wieder möglich"
Leider dar die Initiative für Arbeit und Schule, IFAS, die Arbeiter nut 1 Jahr im Naturschutz beschäftigen, sodass sie danach wieder Gefahr laufen, arbeitslos zu werden. Deshalb bemüht sich die IFAS ihren hochmotivierten Arbeitern aussagekräftige Arbeitszeugnisse und fachliche Zusatzqualifikationen mit auf den weiteren Berufsweg zu geben. Die Geschäftsführerin der IFAS Petra Krinke zu ihrem Engagement: " Wir werden natürlich alles daran setzen, sie am Ende der Maßnahme auch unterzubringen, nur dafür müssen offene Stellen zur Verfügung stehen - das ist leider im Moment das Problem. Offene Stellen gibt es im Moment leider nicht bei den Kommunen, also hoffen wir auf die freie Wirtschaft, die im Frühjahr hoffentlich wieder viel zu tun haben wird. |