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ÖKO - das Umweltmagazin zwischen Weser und Wiehen
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im Bürgerfunk von Radio Westfalica (auf 95,7 und 106,6)
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Die Mai-Sendung
Dienstag, 25. Mai 2004
18:05 bis 19:00 Uhr
Moderation: Jörn Schunk, Holger Hansing
Technik: Udo Wecke
Themen:
* Serie „Erneuerbare Energien“: Einstieg
* Serie „Lebewesen des Jahres“: Zaunkönig
* Fledermäuse im Mühlenkreis
* Die Mindener Tschernobyl-Kinderhilfe
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Die einzelnen Beiträge :
Einstieg in die Serie "Erneuerbare Energien" (von Jörn Schunk)
Wir alle nutzen Energie in vielfältiger Weise z.B. für warme Wohnungen, die Beleuchtung von Räumen oder für den Transport und die Produktion von Gütern. Jede diese Aktivitäten ist mit dem Umsatz von Energie verbunden.
Wir möchten Ihnen heute das Thema Energie etwas näher bringen. Darauf aufbauend stellen wir Ihnen dann in den nächsten Folgen unseres Ökomagazins die einzelnen erneuerbaren Energien vor. Sie werden die Windkraft, die Solarenergie und auch den Einsatz von Biomasse kennen lernen. Sie werden von innovativen neuen Techniken wie der Brennstoffzelle und den energiesparenden Einsatz alt bewährter Technologien wie der Kraft-Wärme-Kopplung hören.
Und was Sie vor allen Dingen hören werden ist Energie - und zwar pure Energie. Ohne Energie geht im Alltag des Homo technicus nichts mehr. Aber was ist nun eigentlich Energie ? Rein physikalisch betrachtet ist Energie die Fähigkeit Arbeit zu verrichten. Wenn z.B. ein Auto (Geräusch) durch seinen Motor (Geräusch) angetrieben wird, dann wird mech. Arbeit verrichtet - also Energie umgesetzt. Was heißt Energie umgesetzt ? Umgesetzt bedeutet, dass zumindest zum Teil, Energie von einer Form in eine andere
überführt werden kann. In unserem Autobeispiel ist das die chemische Energie, die durch Verbrennung des Benzins im Motor in Bewegungsenergie umgesetzt wird. Oder die Strahlenenergie des Sonnenlichts, die in einer Photovoltaikanlage in elektrische Energie umgewandelt wird. Nun, Energie kommt in den
unterschiedlichsten Formen vor. Z.B. als Wärmeenergie - die kennen wir von unserer Heizung -, als elektrische, chemische, mechanische oder Strahlungsenergie. Wichtig dabei ist - Energie ist kein Stoff!
Als Wärme ist Energie nämlich die ungeordnete Bewegung molekularer Teilchen, als elektrischer Strom die gerichtete Bewegung geladener Teilchen und als Strahlung einfach elektromagnetische Wellen.
Wenn Energie kein Stoff ist, wie verbrauchen wir sie dann ?
Man kann Energie weder erzeugen noch verbrauchen, sondern nur von einer der genannten Formen in eine andere überführen. In der Summe bleibt die Energiemenge also immer gleich. Was wir also als Energieverbrauch bezeichnen, ist die Überführung der Energie in eine Form, die für uns nicht mehr nutzbar ist. Z.B. wird die im Erdgas gebundene chemische Energie beim Verbrennen in Wärme - also Nutzwärme - umgewandelt. Diese Nutzwärme wird nach und nach an die Umgebung abgegeben und für unsere Zwecke als nutzlos
entwertet. Wir haben gerade gelernt, dass Energie nicht wirklich verbraucht oder erzeugt, sondern nur in eine für unsere Zwecke nutzbare Form überführt wird. Heutzutage decken wir unseren Bedarf an Nutzenergie zum überwiegenden Teil aus fossilen Energieträgern. Das sind Öl, Gas oder Kohle, die sich in Jahrmillionen auf der Erde gebildet haben und von uns in nur wenigen Jahrzehnten aufgebraucht werden.
Nun ja, in riesigen Kraftwerken wird z. B. aus der sogenannten Primärenergie Kohle - das ist der Rohstoff - die Endenergie Strom gewonnen, um damit wiederum in einer Lampe Licht die so genannte Nutzenergie zu verwenden.
Die Nutzenergie ist in diesem Beispiel also Licht - und damit letztendlich der in der einem Kraftwerken aus Kohle gewonnene Teil der von uns genutzten Energie. Die jeweilige Umwandlung ist mit enormen Verlusten behaftet. So hat ein durchschnittliches Kraftwerk lediglich einen Wirkungsgrad von rd. 36%. Mit der klassischen Glühlampe setzen wir von diesen 36% nur 5% in die Nutzenergie Licht um. Leider kann der überwiegende Teil der von uns genutzten Energiepotentiale mit den heutigen technischen Mitteln
nicht in Nutzenergie umgewandelt werden und geht für unsere Bedürfnisse verloren. Da unsere fossilen Energieträger endlich, also irgendwann aufgebraucht sein werden, ist der sparsame Umgang und die Suche nach alternativen Energieformen von zentraler Bedeutung für die Zukunft unserer technisierten Welt.
Gibt es denn Alternativen? Z.B. die Kernenergie?
Neben dem Problem der Beseitigung des Strahlenmülls und der Gefährlichkeit der Radioaktivität ist auch die Kernenergie letztlich einer endlichen Nutzung unterworfen. Der Energieträger Uran, der die Voraussetzung zur Nutzung der Kernenergie darstellt, ist nämlich auch nicht unendlich verfügbar.
Und was ist mit den erneuerbaren Energiequellen?
Ihr Vorteil besteht darin, das sie nahezu alle ihren Ursprung in der Energie der Sonne haben und damit nach unseren Zeitmaßstäben fast unendlich zur Verfügung stehen. Sie verursachen weder Luftverschmutzungen wie den "sauren Regen" noch Veränderungen des Weltklimas. Auf Grund ihrer Potentiale können Sie einen wichtigen Beitrag für unsere zukünftige Energieversorgung leisten.
Dabei dürfen aber auch nicht die Nachteile wie geringe Energiedichte, Verfügbarkeit - der Wind weht schließlich nicht immer wenn man ihn benötigt - und der Flächenverbrauch außer acht gelassen werden.
Wir beginnen also eine Reihe in der wir ihnen in den nächsten Folgen des Ökomagazins nach und nach die einzelnen regenerativen Energieträger vorstellen werden. Wir wollen ihnen dabei die Vor- und Nachteile vor Augen führen und sie für das Thema Energie sensibilisieren. Und zum Schluss möchte ich sie noch auf eine Energieform aufmerksam machen, mit der die besten Erfolge um eine gesunde und gesicherte Zukunft erzielt werden können. Es handelt sich dabei um die -> Energieeinsparung! Jede nicht genutzte kWh Strom oder Wärme sichert die Nutzung von Energie für die Zukunft, schont die Umwelt und letztendlich auch ihren Geldbeutel. Wir hoffen, Ihr Interesse geweckt zu haben und würden uns freuen, Sie zu unserem nächsten Ökomagazin begrüßen zu können, in dem wir uns dann mit dem Thema Windenergie beschäftigen werden.
Vogel des Jahres: Zaunkönig (von Holger Hansing)
Gesang des Zaunkönigs Na, gefällt Ihnen meine Stimme ? Sie denken jetzt wahrscheinlich an einen stattlichen, fast taubengroßen Vogel. Da liegen Sie falsch: Ich bin gerade einmal 10 cm groß und wiege leichte 10 Gramm. In Japan nennen mich die Menschen "König der Vögel" und auch der alte Grieche Aristoteles nannte mich "Königlein". Bei Ihnen in Deutschland bin ich als Zaunkönig bekannt, da ich mich sehr gern in dichten, dornigen Hecken und zugewachsenen Zäunen aufhalte.
Meine vielen Weibchen - ich gebe zu, dass ich eine polygame Neigung hege - sehen genauso aus wie ich: Wir haben alle eine rundliche Gestalt und ein braun gebändertes Gefieder. Aber die Weibchen können nicht singen. Und deshalb schmettere ich meine Strophen an sonnigen Frühlingstagen, um möglichst viele Zaunköniginnen in mein Revier zu locken. Leider muss ich ein - an mir interessiertes - Weibchen erst sehr aufwendig davon überzeugen, dass wir uns vermehren sollten. Ich bin gezwungen,
meine Nestbaukünste unter Beweis zu stellen, indem ich für die Angesungene bis zu 12 kugelrunde Nester anfertige, von denen sie dann ihr Lieblingsnest auswählt. Dann paaren wir uns und sie kümmert sich allein um Brutgeschäft und Jungenaufzucht. Das ist mir auch ganz recht, denn während sie brütet, kann ich weitere Weibchen herbeisingen und ihnen einen schönen Schnabel machen. Leider reicht heutzutage die Nahrung in meinem Revier nicht für so viele Weibchen und Jungvögel wie früher.
Wir finden einfach nicht mehr genügend leckere Asseln und knackige Käfer, weil die Hecke zu schmal geschnitten ist, der Rasen dauernd gemäht wird und alle Reisighaufen weggeräumt wurden. Dabei picke ich am liebsten schmackhafte Spinnen aus den Ritzen der Trockenmauer oder husche zwischen den einheimischen Büschen im Asthaufen herum. Ich liebe die bunten Wildblumenwiesen und freue mich über die Gartenbesitzer, die in ihren Gärten liegen und die Sonne genießen, während die Brennnesseln wachsen dürfen.
Ich glaube wegen meiner Vorliebe für Naturgärten hat mich der Naturschutzbund auch zum Vogel des Jahres 2004 ernannt. Ich bin quasi der König der Gartentiere, die dringend weniger Ordnung und mehr Natur brauchen.
Gesang des Zaunkönigs
Fledermäuse im Mühlenkreis (von Holger Hansing)
Ortungslaute des Großen Mausohrs
So klingen die mit einem Fledermausdetektor für uns hörbar gemachten - Ortungslaute des Großen Mausohrs, einer besonders geschützten Fledermausart, die sogar noch im Mühlenkreis vorkommt. Dies konnte man auf einem Informationsabend der Biologischen Station des Kreises erfahren, denn Anfang April hielt die Fledermaus-Fachfrau Sandra Pinno einen sehr interessanten Diavortrag über Fledermäuse. Frau Pinno stellte fest, dass ungefähr 14 Fledermausarten im Kreis Minden-Lübbecke vorkommen, wobei in ganz
Nordrhein-Westfalen noch 18 Arten anzutreffen sind.
Die Landschaftsökologin Pinno sprach in diesem Zusammenhang auch über die Charakteristika des Kreises aus Sicht der Fledermäuse:
"Das Besondere ist mit Sicherheit die Anbindung durch das Wasserstraßenkreuz. Also die Weser und der Kanal werden sicherlich von vielen Fledermausarten als Zugstrecke genutzt. Dann ist das Winterquartierangebot sehr groß im Wiehengebirge und im Wesergebirge und diese Gebirgskette hat natürlich auch noch eine Leitfunktion für wandernde Fledermausarten."
Ja, Sie haben richtig gehört, es gibt Fledermausarten, die Zugverhalten zeigen.
Die Fledermäuse wandern im Jahresverlauf zwischen Sommerlebensraum und Winterquartier, in dem sie Winterschlaf halten, hin und her.
Doch trotz der recht günstigen Bedingungen für die heimischen Fledermäuse gibt es viele Arten, die auf der Roten Liste der gefährdeten Tierarten stehen.
Sandra Pinno sieht folgende Gefährdungsursachen als schwerwiegend an:
"Sicherlich ist der Verlust von geeigneten Lebensräumen da, aber ich denke besonders gravierend ist immer der Quartierverlust, weil in der Regel dann eine größere Gruppe von Fledermäusen betroffen ist, wenn z.B. eine sogenannte Wochenstube betroffen ist, ein Weibchenverband mit Jungtieren davon betroffen ist, dass ihr Quartier zerstört wird, dann ist das schon sehr sehr negativ wirksam für eine Population."
Eine besonders wichtige Funktion haben die Fledermäuse in der heimischen Natur, da sie die einzigen Insektenvertilger sind, die nachts umherfliegen und z.B. die ungeliebten Mücken fressen.Wenn Sie den Fledermäusen helfen wollen, dann hat Sandra Pinno einige Vorschläge für Sie:
"Ganz wichtig ist sicherlich die Gestaltung des Gartens, also ein naturnaher Garten kommt den Fledermäusen entgegen, [...] sodass das Insektenangebot da ist [...] Dann ist es wichtig, Quartiere, die man kennt, zu erhalten. Man kann dann Kästen aufhängen oder Neuquartiere schaffen, sogenannte Fledermausbretter z.B. in den Giebel hängen.[...]"
Falls Sie Interesse daran haben, sich genauer über die nützlichen Flattertiere zu informieren oder eine Bauanleitung für Fledermauskästen suchen, dann sollten Sie die Internetseite www.fledermausschutz.de aufsuchen. Und zum Schluss gibt Ihnen Sandra Pinno noch einige Tipps für die nächsten lauwarmen Abende:
"Also im Prinzip ist es relativ einfach Fledermäuse zu beobachten. Man muss einfach in der Dämmerung die Augen aufhalten, hingucken und sobald es wirklich dunkel ist, fliegt in der Regel kein Vogel mehr, dann sind es schon Fledermäuse, die unterwegs sind. Sehr leicht zu beobachten sind z.B. Wasserfledermäuse über größeren Wasserflächen, wenn man ne stärkere Taschenlampe dabei hat, kann man sie auch mal kurz anleuchten, dann reflektiert z.B der weiße Bauch sehr gut, daran kann man die Wasserfledermaus
schon erkennen."
Die Mindener Tschernobyl-Kinderhilfe (von Holger Hansing)
Am 26. April 1986 ereignete sich der Unfall im ukrainischen Kernkraftwerk von Tschernobyl. Dabei gelangten große Mengen Radioaktivität in die Umwelt: Die erste radioaktive Wolke zog über Polen nach Skandinavien nordwärts. Nach Änderung der Wetterlage bewegte sich eine zweite Wolke westwärts über Tschechien und Österreich nach Deutschland. Aber am stärksten war Weißrussland, auch Belarus genannt, betroffen: 70 Prozent der radioaktiven Niederschläge trafen das ukrainische Nachbarland.
Dazu Hartmut Karge, der Mitinitiator der Mindener Tschernobyl- Kinderhilfe
"Belarus grenzt ja an die Ukraine an und Tschernobyl ist glaube ich nur 30 km von der belarussischen Grenze entfernt. Da ist das am stärksten belastete Gebiet, das größer ist als Baden-Württemberg, das ist die Region Gomel."
Trotz der hohen Strahlenbelastung kehrten einige Jahre später ca. 500 - vor allem ältere- Menschen in die verstrahlten Gebiete um Tschernobyl zurück, weil sie sich nach ihrer Heimat sehnten und nach der Evakuierung sozial ausgegrenzt wurden. Seit einigen Jahren setzt sich auch Gabriele Erzigkeit in der Tschernobyl-Kinderhilfe für die Leidtragenden ein. Sie war sogar schon vor Ort und kann über ihre Eindrücke in der Ukraine berichten:
"In den Sperrbezirken um Tschernobyl, etwa 30 km ist die Sperrzone gezogen, ist die Bev. sehr arm, sehr krank. Man trifft auf der Straße sehr viele missgebildete Menschen, sehr viele kleinwüchsige Menschen, ja und Menschen, denen man an der Haut schon ansieht, dass sie einfach strahlenbelastet sind."
In den verstrahlten Regionen Weißrusslands hat Frau Erzigkeit die Radioaktivität auch selbst gemessen und festgestellt, dass die tatsächlichen Werte erheblich höher sind als die von den dortigen Politikern mitgeteilten Werte.
Die engagierte Frau fasst die Folgen für die Gesundheit der Menschen so zusammen:
"Die Menschen, die durch diesen Reaktorunfall erkrankt sind, haben vorwiegend Krebserkrankungen und hier [vorwiegend] Leukämie, Leberkrebs und Schilddrüsenkrebs."
Um diesen und anderen Krankheiten vorzubeugen, kümmert sich seit gut einem Jahr die Mindener Ortsgruppe der Tschernobyl-Kinderhilfe besonders um weißrussische Kinder. Doch ist 18 Jahre nach dem radioaktiven Regen überhaupt noch Hilfe nötig ? Dazu der Waldorf-Pädagoge Hartmut Karge von der Tschernobyl-Kinderhilfe:
"Eine ganz entscheidende Frage ist noch, wieso - Tschernobyl ist doch 1986 gewesen, wieso leiden denn jetzt Kinder, die noch gar nicht geboren waren.
Die Kinder und die Familien dort sind nicht so wohlhabend, dass sie unbelastete Nahrung essen könnten, sie müssen das essen, was auf den Felder wächst[...]. Und das ist die belastete Nahrung, d.h. sie nehmen jeden Tag eine Dosis Strahlung auf."
Einige freigesetzte radioaktive Stoffe sind sehr langlebig, z.B. hat Cäsium 137 eine Halbwertzeit von 30 Jahren, d.h. nach den jetzt verstrichenen 18 Jahren ist noch nicht einmal die Hälfte des Cäsiums zerfallen.
Von den radioaktiven Belastungen konnten sich bereits letztes Jahr knapp 50 Kinder in Minden erholen. Frau Erzigkeit erläutert die Bedeutung der Kur im unbelasteten Mühlenkreis:
"Wichtig finde ich diese Maßnahme, weil sich in Untersuchungen herausgestellt hat, dass Kinder, die 3-4 Wochen im Jahr in gesunden Gebieten leben, das ganze Jahr in ihrer Heimat relativ unbelastet von irgendwelchen Infektionskrankheiten [das Jahr halt] überstehen."
Deshalb werden sich auch dieses Jahr 45 strahlenbelastete Kinder und ihre Betreuer auf die mindestens 30 Stunden dauernde Busreise von Weißrussland nach Minden begeben. Die Fahrt kostet über 7500 Euro und wird nur mit Hilfe von Spenden finanziert. Dazu Gabriele Erzigkeit:
"Die Stadt Minden und auch viele Geschäftsleute haben sich bereit erklärt mit ihren Möglichkeiten diese Freizeit zu unterstützen."
2. Teil
Wie gesagt: Diesen Sommer besuchen 45 weißrussische Kinder für 3 Wochen den Mühlenkreis, um sich von der radioaktiven Belastung nach der Tschernobyl-Katastrophe zu erholen. Aber wer entscheidet darüber, welche Kinder an dieser für die Gesundheit sehr wichtigen Reise teilnehmen dürfen. Dazu Hartmut Karge von der Mindener Tschernobyl-Kinderhilfe: "Eigentlich wählt sie der Hilfsverein aus, in Minsk haben wir einen privaten Hilfsverein "Hoffnung für die Zukunft", der schlägt uns Kinder vor, aber wir haben auch Kontakt zu 2 Dörfern, wo der Schulleiter und die Deutschlehrerin auch Kinder auswählt. [...] Wer kann kommen ? Es gibt 3 Kriterien. Einmal aus den belasteten Zonen von Belarus [...]. Zweitens Liquidatorenkinder, die Kinder von Familien, wo die Väter mit aufgeräumt haben in Tschernobyl [...] Und 3. Wird dürfen auch Vollwaisen einladen."
Und welche Erfahrungen haben die Gastfamilien im Kreis Minden-Lübbecke letztes Jahr mit den Kindern aus Weißrussland gemacht ?
Die Familie von Andreas Nott hat sich im Sommer 2003 spontan entschieden zwei weißrussische Kinder aufzunehmen. Er habe sich über Zettel und Gesten mit den beiden unterhalten. Gastvater Andreas Nott erzählt von seinen Beobachtungen während des dreiwöchigen Aufenthalts:
"Sie wurden sehr viel lebhafter, haben sich dann auch gut erholt, kriegten Farbe. Was uns aufgefallen ist , sie liebten Kekse über alles, Wir haben noch nie so viele Kekse gekauft wie in den drei Wochen. Bonbons waren auch ganz gefragt und Eis. Was weniger gefragt, war eigentlich das, was wir gedacht hatten, Früchte und solche Speisen , dass haben sie eigentlich alles abgelehnt. Sie kannten eigentlich nur Kartoffeln und Kohl, das haben sie freiwillig gerne gegessen. Aber alles, was sie nicht kannten
oder was von zu Hause aus verboten war, haben sie nicht so gerne angenommen. [...]"
Die 11-jährige Viola Schmoller aus Hille hatte letztes Jahr eine Gastschwester zu Besuch und freut sich schon auf das Wiedersehen mit Irina aus dem weißrussischen Baranowitsch: "Irina hat gern mit unseren Tieren gespielt, mit dem Kater und den kleinen Kaninchen. Wir haben auf unserem Hof gespielt. So Springseil und so was. Wir haben uns halb deutsch, halb russisch unterhalten. Es war eigentlich auch schön und wir bekommen Irina auch wieder."
Violas Mutter Sigune Schmoller berichtet darüber, dass sich die erst
8-jährige Irina letztes Jahr gut in die 6-köpfige Geschwisterreihe eingefunden hat. Irina habe trotz ihrer angeschlagenen Gesundheit gut gegessen und sich in Hille sehr wohl gefühlt. "Sie ist uns sehr ans Herz gewachsen und sie wird auch dieses Jahr wiederkommen. [...] Wir haben auch gemerkt, so dieses Jahr über , wenn sie schreibt, dass sie doch sehr sehr von diesen drei Wochen zehrt und sich unheimlich auf die jetzt kommende Zeit freut."
Die drei Schülerinnen der Mindener Waldorfschule, Leonie Nott sowie Melena und Viola Schmoller, freuen sich bereits auf das Wiedersehen mit ihren Freundinnen aus Weißrussland im Sommer. Zur Erinnerung an die Reaktorkatastrophe haben sie ein selbst geschriebenes Lied gesungen:
Kindergesang: "Das ist das Unglück von Tschernobyl, dem Stadt und Land zum Opfer fiel. Auch Pflanzen und Tiere sie wurden krank. Die Strahlen sie wirken ein Leben lang."
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