ÖKO - das Umweltmagazin zwischen Weser und Wiehen


im Bürgerfunk von Radio Westfalica (auf 95,7 und 106,6)

Die März-Sendung
Montag, 21. März 2005
18:04 bis 19:00 Uhr
Moderation: Inga Vehling, Jörn Schunk
Technik: Jörn Schunk
Beiträge:
* Serie „Erneuerbare Energien“: Wasserkraft
* Serie „Lebewesen des Jahres“: Bär
* 25 Jahre aktiver Naturschutz: Erwin Mattegiet
* Umweltsiegel
* Genpflanzen auf heimischen Feldern ?
Gen-Beitrag als MP3-Datei (4,5 Min.)

Die einzelnen Beiträge :

"Erneuerbare Energie": Wasserkraft (von Jörn Schunk)

In unserer heutigen Sendung aus der Reihe "Erneuerbare Energien" wollen wir uns mit der Wasserkraft beschäftigen. Die Kraft des fließenden Wassers als Energiequelle zu nutzen, stellt eine der ältesten technischen Entdeckungen der Menschheit dar. Schon die frühesten Hochkulturen am Indus, in China, Ägypten oder Mesopotamien zeichneten sich u. a. durch enorme wasserbauliche Fähigkeiten aus. Es wurden große Wasserräder genutzt, um Wasser für die Bewässerung landwirtschaftlicher Flächen oder die Trinkwasserversorgung von Städten zu fördern. Solche Wasserräder erbrachten eine Leistung, die etwa der Tagesarbeit von 15 - 20 Tagelöhnern entsprach. Von der römischen Antike bis zum Mittelalter kamen zahlreiche neue Anwendungen für die Wasserkraftmaschinen hinzu: Getreide wurde in bootsgestützten Flussmühlen gemahlen, Metalle wurden in Hammerwerken bearbeitet und Sägewerke haben die Produktion von Holzbrettern erleichtert. In den ersten Bergwerken wurden Pumpen zum Fördern des Grundwassers und die Förderanlagen selbst mit Wasserkraft betrieben. Erst mit der Erfindung der Dampfmaschine im Jahr 1765 wurde die Nutzung der Wasserkraft aus dem Bereich der mechanischen Arbeit verdrängt. In den folgenden Jahren ist die Wasserkraftnutzung eng mit dem beginnenden Zeitalter der Elektrizität verbunden: 1866 entwickelte Werner von Siemens die erste Dynamomaschine, Edison nahm 1882 das erste Elektrizitätswerk in New York in Betrieb und Nicola Tesla entdeckte den Wechselstrom, so dass wenige Jahre später das erste Wechselstromkraftwerk an den Niagara Wasserfällen den Betrieb aufnehmen konnte. Auch in Deutschland spielten die Wasserkraftwerke bei der Elektrifizierung eine wichtige Rolle. So betrug ihr Anteil an der Stromversorgung Süddeutschlands zeitweise bis zu 70 %, da im Süden Deutschlands keine Kohle gefördert wurde. Erst mit dem Einsatz billiger fossiler Energieträger wurden mehrere Tausend Kleinwasserwerke still gelegt, da sie nicht mehr konkurrenzfähig waren. Lediglich die großen Wasserkraftwerke, z. B. in den deutschen Mittelgebirgen, wurden weiterhin betrieben. Erst seit wenigen Jahren setzt die garantierte Einspeisevergütung für Strom aus erneuerbaren Energiequellen diesem Trend ein Ende und führt neuerdings zu einer Reaktivierung vieler kleiner Wasserkraftwerke. Z. Zt. beträgt der Anteil der Wasserkraft an der deutschen Stromversorgung ca. 4 % und schafft es weltweit auf rd. 18 %. Dabei sind Länder wie Norwegen, die weit über 90 % ihres Strombedarfs durch Wasserkraft decken können, durch ihre geografischen Gegebenheiten besonders begünstigt. Im zweiten Teil unseres heutigen Beitrags über die Nutzung der Wasserkraft werden wir uns dann mit der technischen Seite der Energiegewinnung beschäftigen. Im ersten Teil des Beitrags über die Nutzung des Wassers als Energiequelle, haben wir etwas über die historische Entwicklung der Wasserkraft gehört. Nun wollen wir uns einige technische Umsetzungsmöglichkeiten der Wasserkraftnutzung etwas genauer ansehen. Wasser zirkuliert innerhalb der Erdatmosphäre in einem Kreislaufsystem. Die Sonnenwärme verdunstet das Wasser, so dass es als Wasserdampf in die Atmosphäre aufsteigen kann. Nach durchschnittlich 10 Tagen fällt es als Regen wieder zurück auf die Erde. Für die Wasserkraftnutzung ist aber in der Regel nur der Teil des Niederschlags nutzbar, der über Gebieten mit einer ausreichenden Höhendifferenz zum Meeresspiegel fällt und in Bächen und Flüssen abfließen kann. Das Wasser enthält zwei Formen der Energie: die Bewegungsenergie - auch kinetische Energie genannt - und die potentielle Energie, dass ist die Lageenergie, die durch den Höhenunterschied des herabfallenden Wassers definiert wird. Zu Beginn der Wasserenergienutzung wurden so genannte "unterschlächtige" Wasserräder eingesetzt, die nur die Bewegungsenergie nutzen konnten. Damit ist die Kraft des fließenden Wassers gemeint, wie es sehr anschaulich bei der Schiffsmühle in Minden zu sehen ist. Erst mit Erfindung der "oberschlächtigen" Wasserräder um 1200 n. Chr. konnten dann sowohl Bewegungs- als auch Lageenergie genutzt werden. Bei diesem System wird nämlich das fließende Wasser von oben auf das Wasserrad geführt, so das zusätzlich zur Fließbewegung des Wassers der Höhenunterschied genutzt werden konnte. Diese Technik hat sich auf Grund ihres höheren Wirkungsgrades durchgesetzt. Heutzutage kommen Wasserräder aber nur noch sehr begrenzt bei Fallhöhen unter 10 m zum Einsatz. Moderne Anlagen arbeiten mit Wasserturbinen. Diese Turbinen finden ihre unterschiedlichen Einsatzmöglichkeiten in Wasserkraftwerken mit verschiedenen Ausprägungen. In Talsperren z. B. wir das Wasser aus Flüssen und Bächen aufgestaut und anschließend wohl dosiert über Turbinen an den Unterlauf des Flusses wieder abgegeben. Laufwasserkraftwerke hingegen nutzen die Energie des fließenden Gewässers und so genannte Pumpenspeicherkraftwerke dienen als riesige Energiespeicher. Hier wird in Zeiten der Stromüberproduktion, wie z. B. nachts, Wasser in einen höher gelegenen Speicher gepumpt und zu einem späteren Zeitpunkt über eine Turbine wieder abgelassen. Neben der CO2-freien Stromerzeugung bieten insbesondere Kleinwasserkraftwerke eine ganze Reihe von Vorteilen wie z. B. den Anstieg des Sauerstoffgehaltes im Unterlauf von Flüssen oder die Entfernung von Zivilisationsmüll aus dem Wasser. Andererseits gibt es auch viele gravierende Nachteile, die genauestens gegeneinander abgewogen werden müssen. So sind Großprojekte wie z. B. der "Drei-Schluchten-Staudamm" in China der mit 26 Generatoren rund ein Dutzend kleine Atomkraftwerke ersetzen soll und durch den mehrere Millionen Menschen zwangsumgesiedelt werden müssen, sicherlich sehr kritisch zu hinterfragen. Wer zusätzliche Informationen zu diesem Thema wünscht, dem sei die Internetadresse www.thema-energie.de empfohlen. Da wir in unserer Reihe nun alle erneuerbaren Energienquellen vorgestellt haben, beginnen wir ab Mai damit, ihnen einige innovative neue Technologien wie z. B. die Brennstoffzelle näher zu erläutern.

Lebewesen des Jahres 2005: Der Bär (von Diana Tuleweit)

Als Deutschland noch ein wildes, weites Land war, gab es auch in heimischen Wäldern Braunbären. Wegen ihres schönen warmen Fells wurden sie jedoch gejagt, so dass vor etwa 170 Jahren diese Wildtierart aus deutschen Wäldern verschwunden war. In den letzten Jahren wurden in den österreichischen Alpen jedoch vereinzelte Exemplare gesichtet, die vermutlich aus Südosteuropa eingewandert sind. Dort, sowie in Schweden und Finnland, ist der Braunbär noch weit verbreitet, in den rumänischen Karpaten gibt es sogar rund 4500 Bären. Die Schutzgemeinschaft Deutsches Wild rechnet damit, dass bald auch wieder Bären nach Deutschland einwandern und hofft, dass sie dann genau so toleriert werden wie der Luchs oder der Wolf. Anspruchsvoll ist der Braunbär nicht gerade, er lebt meist in recht unfruchtbaren, bewaldeten Regionen und ist ein Allesfresser. Denkt man beim Braunbär an das typische Bild vom geschickten Lachsfänger, so stimmt das nicht ganz. Sie bevorzugen pflanzliche Nahrung wie Beeren und Früchte, können aber auch Nagetiere oder Huftiere erlegen. Sie passen ihre Essgewohnheiten dem Angebot vor Ort an, ganz schön menschlich sozusagen. Auch ist der Braunbär gar nicht so riesig wie man immer denkt. Da verschiedene Unterarten der Braunbären von Spanien bis Japan und in den nördlichen Rocky Mountains verbreitet anzutreffen sind, variiert ihre Körpergröße je nach Lebensraum. Natürlich möchte man einem Grizzly- oder Kodiakbären nicht allein im Mondschein begegnen, die europäische Variante des Braunbären ist jedoch deutlich kleiner. Etwa 180 cm groß und mit über 100 KG Gewicht ist ein ausgewachsener Bär immer noch recht stattlich. So gemütlich so ein Bär auch wirken mag, anlegen sollte man sich besser nicht mit ihm. Insbesondere eine Bärenmama kann ganz schnell ungemütlich werden wenn sie ihre Jungen in Gefahr sieht. Die Bärenjungen werden während der Winterruhe geboren und dürfen erst im Frühjahr mit etwa 5 bis 6 Monaten das erste Mal die Höhle verlassen. Wie bei uns Menschen bleiben die Kinder aber noch bis ins zweite Lebensjahr eng bei der Mutter Traurig ist so manches Bärenschicksal im Zoo, wenn er nicht artgerecht gehalten wird, denn ein Bär ist viel Bewegungsfreiraum gewohnt. Auch der Missbrauch von Bären als sogenannte Tanzbären wird leider immer noch vereinzelt gesehen. Akzeptieren wir den Braunbären als das, was er ist: ein schützenswertes Wildtier. Schön, wenn Deutschland wieder ein bisschen "wilder" wird und sich der Braunbär in unseren Wäldern wohl fühlt.

25 Jahre aktiver Naturschutz: Erwin Mattegiet im Interview (von Holger Hansing)

Der Bad Oeynhausener Erwin Mattegiet ist seit einem Vierteljahrhundert im ehrenamtlichen Naturschutz aktiv. Er hat die Arbeitsgruppe Natur und Umweltschutz Bad Oeynhausen mitbegründet und sitzt im Vorstand des Aktionskomitees "Rettet die Weißstörche". Außerdem arbeitet Mattegiet seit über 10 Jahren als Landschaftswächter ehrenamtlich für den Kreis Minden-Lübbecke. Im folgenden Interview hat sich Holger Hansing mit Erwin Mattegiet über dessen Erfahrungen im Naturschutz unterhalten. Holger Hansing: Herr Mattegiet, Sie wurden letztes Jahr von der nordrhein-westfälischen Umweltministerin Bärbel Höhn für Ihr bürgerschaftliches Engagement als Landschaftswächter ausgezeichnet. Welche Aufgaben hat denn eigentlich ein Landschaftswächter ?

Erwin Mattegiet:
Ein Landschaftswächter muss mit offenen Augen durch die Natur gehen und alle Auffälligkeiten beobachten und notfalls der Unteren Landschaftsbehörde melden. D.h. womöglich illegale Baumaßnamen oder illegale Müllentsorgung.

Hansing: Wo sind denn Ihre Schwerpunkt im Umwelt- und Naturschutzbereich ?

Mattegiet: Ich kümmere mich um Greifvogelschutz, hauptsächlich Eulen und Fledermäuse, aber auch Amphibien. Wir versuchen Tiere zu schützen, die auf der Roten Liste sind, sprich die vom Aussterben bedroht sind. Und da gehören natürlich die Schleiereulen und die Fledermäuse dazu. Wir schaffen zum Beispiel Nistmöglichkeiten für Schleiereulen, wir haben da einen guten Draht zum Wittekindshof, die fertigen uns die Kästen aus Spanplatten. Und dann haben sich schon viele Bürger eines solchen Kastens bedient und haben den in ihrer Scheune oder auf ihrem Dachboden eingebaut und ich kriege dann oftmals Rückmeldung, dass sie angenommen sind und das ist immer ein schöner Lohn.

Hansing: Sie sind seit 25 Jahren im Umweltbereich engagiert - an welche Tiefpunkt können Sie sich erinnern ? Gab es Umwelt- oder Naturkatastrophen ?

Mattegiet: Für mich ist es immer eine mittlere Katastrophe, wenn ich die Fledermausstollen besuche und muss dann feststellen, dass die Gitter mit brachialer Gewalt wieder zerstört wurden […] und wir müssen das mit viel Mühe und auch finanziellen Mitteln wieder hinbekommen und das ist schon sehr ärgerlich.

Hansing: Es gab natürlich nicht nur Tiefpunkt, es gab auch Erfolge in den letzten 25 Jahren. Welche Erfolge können Sie verbuchen, wo sagen Sie, da habe ich wirklich was erreicht im Umwelt- und Naturschutz ?

Mattegiet: Das Positive sehe ich darin, dass wir die Schleiereulenpopulation durch die Kästen, die wir in den Gebäuden errichtet haben, weiter vergrößern konnten. Auch durch die Stollenvergitterung haben wir die Fledermausbestände teilweise sichern können. Und dann haben wir das ehrgeizig Ziel, in jedem Jahr einen Amphibienteich anzulegen.

Hansing: Was möchten Sie in Zukunft noch erreichen ?

Mattgiet: Wir haben auf der anderen Weserseite, d.h. zwischen dem Südlichen See und der Weser, einen Niststandort für Weißstörche geschaffen. Und wir hoffen, dass wir dort bald Störche begrüßen können. Wir sind eigentlich ziemlich optimistisch, denn es gibt einen gewissen Populationsdruck aus dem Osten. Allein in Polen gibt es 400.000 Brutpaare, das ist eine unglaubliche Zahl und da wird es denen wohl zu eng und deshalb driften die hier rüber zu uns nach Ostwestfalen.

Hansing: Wie schätzen Sie das aktuelle Umweltbewusstsein im Vergleich zu den 80er Jahren ein ?

Mattegiet: Ich denke mal, dass war schon mal besser. Wir merken das vor allem bei unseren Aktionen bzw. Diavorträgen, die früher sehr stark besucht wurden. Das hat doch erheblich nachgelassen.

Hansing: Vielen Dank für das Gespräch !

Umweltsiegel (von Inga Vehling)

Du bist, was du isst... So wird im Fernsehen für einen Nahrungsmittelhersteller geworben. -Und, wenn das stimmt, dann will die Mehrheit der Deutschen vor allem eins: kein herkömmliches Lebensmittel, sondern ein BIO-Apfel, eine BIO-Pizza oder ein BIO-Würstchen sein. Gesund essen ist Hipp!! Und: - obwohl sie immer noch etwas teurer sind, als die konventionellen Lebensmittel, achten zunehmend mehr Verbraucher darauf, dass sich in ihrem Einkaufskorb Produkte mit der Aufschrift "BIO" wiederfinden. Aber was ist an BIO-Lebensmitteln denn eigentlich anders?? Was darf drin sein und was nicht?? All diesen Fragen haben sich die Abgeordneten des Europaparlaments gestellt und eine EG-Öko-Verordnung erlassen. Hersteller, deren Erzeugnisse die Vorschriften dieser Verordnung erfüllen, können sich seit September 2001 vom Bundesamt für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft mit dem 6-eckigen Biosiegel auszeichnen lassen. Nach der Öko-Verordnung der EG dürfen die Bezeichnung "BIO" nur Produkte führen, die keine genetisch veränderten Bestandteile einhalten, die nicht mit ionisierenden Strahlen behandelt wurden und deren Grundzutaten zu mindestens 95% aus Bio-Landbau stammen. Generell verboten ist es auch, in Bio-Lebensmitteln Farbstoffe, Geschmacksver-stärker und naturunidentische Aromen, Stabilisatoren oder synthetische Süßstoffe zu verarbeiten. Zusatz- und Hilfsstoffe sind nur dann erlaubt, wenn das Bio-Lebensmittel nachweislich ohne diese Stoffe nicht herzustellen ist. Das BIO-Siegel - ein Siegel, auf das es sich beim Einkaufen zu achten lohnt! Halten Sie doch mal Ausschau nach dem 6-eckigen Siegel mit dem "BIO" Schriftzug in der Mitte! Und falls Sie noch Fragen haben zum ökologischen Landbau oder zum Siegel selbst, dann schauen Sie doch auf der Internetseite www.bio-siegel.de vorbei. Hier finden Sie übrigens auch die EG-Öko-Verordnung!!

Genpflanzen auch auf heimischen Feldern ? (von Holger Hansing)

Inzwischen werden im Labor mit Hilfe der Gentechnik Nutzpflanzen erzeugt, die gegenüber Krankheiten oder Pflanzenschutzmitteln resistent, also unempfindlich sind. Diese Kartoffel-, Mais-, Raps- oder Zuckerrübenpflanzen sind also nicht mehr krankheitsanfällig oder lassen sich leichter von Unkräutern befreien und versprechen damit viel höhere Erträge. Problematisch ist nur, dass diese Genpflanzen erst noch auf ihre Tauglichkeit im Freiland getestet werden müssen. Es stellt sich die Frage, ob es auch im Mühlenkreis bereits Freilandversuche mit gentechnisch veränderten Pflanzen gibt. Diese Frage beantwortet uns der Hauptdezernent des Staatlichen Amtes für Umwelt- und Arbeitsschutz in Bielefeld, Egon de Groot, telefonisch: "Im Kreis Minden-Lübbecke wurden bisher keine Freisetzungen durchgeführt.""Freigesetzt wurden in OW zwei Nutzpflanzen, die gentechnisch verändert waren zum einen ist es der Raps und zum anderen die Zuckerrübe. Das Besondere war, dass beide Pflanzen genetisch so verändert wurden, dass sie nun eine neu Eigenschaft hatten, eine Herbizidresistenz, also eine Resistenz gegenüber Pflanzenschutzmitteln" D.h. das gespritzte Pflanzenschutzmittel schädigt die genetisch veränderten Nutzpflanzen nicht mehr, sodass alle Unkräuter vollständig entfernt werden können und höhere Erträge möglich sind. Andererseits zeigen Untersuchungen aus den USA die Kehrseite der Errungenschaft: Seit 1994 werden in den USA gentechnisch veränderte Sojabohnen angebaut, die unempfindlich gegenüber einem Pflanzenschutzmittel sind. Seitdem hat sich der Pestizidverbrauch auf den Feldern mit genmanipuliertem Soja im Vergleich zum konventionellen Anbau um knapp 50 Prozent erhöht. Karl Tödtmann von der Löhner Greenpeace-Gruppe erklärt, warum auf den Gensojafeldern inzwischen große Mengen Pflanzenschutzmittel gespritzt werden müssen: "Das Argument mit dem geringeren Pestizideinsatz ist insofern nicht stichhaltig, als dass sich nach ganz kurzer Zeit sprich von 2-3 Jahren, Resistenzen bilden bei den Wildpflanzen, sodass sich also dann der Einsatz von Pestiziden dann gewaltig erhöht." Wenn in Zukunft eine Versuchsfläche für gentechnisch veränderte Pflanzen im Mühlenkreis geplant ist, dann erfährt jeder Bürger dies durch die lokale Presse und die ausgelegten Unterlagen in der betroffenen Gemeinde bzw. Stadt. Die bisherigen Freisetzungsflächen in Ostwestfalen kann jeder Interessierte bereits jetzt im Internet finden: Auf der Homepage des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit in Berlin sind bundesweit alle Versuchsflächen verzeichnet. Aber was passiert, wenn zukünftig gentechnisch veränderte Pflanzen in unserer Nachbarschaft ausgesät werden. Dazu noch einmal von der zuständigen Überwachungsbehörde in Bielefeld Egon de Groot: "Wir nehmen dann teil an der Aussaat und verfolgen dann dieses Feld bis zur Ernte, d.h. ganz konkret, wir überprüfen in welcher Art und Weise wird ausgesät, wir messen alle Flächen per GPS ein, um auch Jahre später diese Fläche wiederfinden zu können, wir kontrollieren die Ernte bspw. das beim Raps keine Rapskörner verloren gehen, wir kontrollieren, ob die Erntemaschine gereinigt wurden, nicht das es zu einer Verschleppung von Körner durch den Mähdrescher auf andere Felder kommt." Trotz dieser umfangreichen Überwachungsmaßnahmen haben die Mitglieder der Löhner-Greenpeace Gruppe Bedenken, wenn es um die Freisetzung von gentechnisch veränderten Pflanzen geht. Karl Tödtmann über seine Sorgen: "Zunächst einmal ist nicht sichergestellt, dass sich die Gentechnik nicht unkontrolliert verbreitet. Was einmal in die Natur freigesetzt worden ist, ist nicht wieder zurückzunehmen." "Und was wir heute an genmanipulierten Lebensformen ausbringen, die werden uns lange verfolgen." Auch der Fachmann bei der zuständigen Überwachungsbehörde gibt zu, dass sich die veränderten Erbinformationen der draußen wachsenden Genpflanzen ausbreiten können, wenn der Blütenpollen vom Wind weggeweht wird. Egon de Groot vom Staatlichen Amt für Umwelt- und Arbeitsschutz: "Verhindert werden kann ein solcher Pollenflug grundsätzlich nicht. Es gibt wohl Möglichkeiten einen solchen Pollenflug einzuschränken, bsps. Dadurch, dass man Sicherheitsabstände einzuhalten hat. Wenn also gentechnisch veränderter Raps angebaut wird, dann darf in unmittelbarer Nähe dieses Feldes kein konventioneller Raps angebaut werden, der dann ein möglicher Kreuzungspartner wäre." Kommt es zu einer solchen Kreuzung von konventionellen Nutzpflanzen mit Genpflanzen, dann haftet nach der Neufassung des Gentechnikgesetze auf jeden Fall der Betreiber des Freilandversuches. Diese Verschärfung der Haftung zum 1. Januar 2005 könnte bewirkt haben, dass dieses Jahr noch keine Anträge zur Freisetzung von Genpflanzen in Ostwestfalen gestellt wurden.