ÖKO - das Umweltmagazin zwischen Weser und Wiehen


im Bürgerfunk von Radio Westfalica (auf 95,7 und 106,6)

Die Lebewesen des Jahres 2005:
* Vogel des Jahres: Uhu (Januar-Sendung)
* Wildtier des Jahres: Bär (März-Sendung)
* Spinne des Jahres: Zebra-Springspinne (Mai-Sendung)
* Fisch des Jahres: Bachforelle (Juli-Sendung)
* Blume des Jahres: Klappertopf (September-Sendung)

Die Beiträge:

Vogel des Jahres 2005: Der Uhu (von Inga Vehling)

Wer beim Stichwort UHU nur an den gleichnamigen Kleber im Bastelschrank denkt, der sollte sich seine Klebstoffflasche noch einmal genauer an sehen!! Ganz klein ist er nämlich auch darauf zu erkennen - der Vogel des Jahres 2005 der UHU. Im wahren Leben ist die preisgekrönte Eule fast 70 cm groß, bis zu 3 Kilogramm schwer und hat eine Flügelspannweite von bis zu 1,80 m. Dass man den UHU - trotz seiner Größe - im Wald eher hört als sieht, liegt an seinem markanten "Huhu" und der perfekten Tarnung. Mit seinem braungemusterten Federkleid ist er in keinem Baum zu erkennen. Erst in der Dunkelheit gibt er sein Versteck auf um zu jagen. Die großen Augen und sein ausgezeichnetes Gehör lassen seinen Beutetieren nur eine geringe Chance zur Flucht. Zielsicher peilt der riesige Kauz Ratten, Igel, Krähen oder auch Kaninchen an und schlägt blitzschnell zu. Auch die Tatsache, dass der Uhu seinen Kopf bis zu 270° drehen kann ist bei der lautlosen Jagd ein großer Vorteil. Uhus sind äußerst standorttreu. Auch ein kalter Winter kann ihnen nichts anhaben und so bleiben die Vögel, ob warm oder kalt, immer in ihrem angestammten Lebensraum. Besonders wohl fühlt sich der Felsbrüter in steiniger Umgebung. Auch wenn sich in unseren Breiten der Bestand an Uhus nach Zeiten beinaher Ausrottung wieder etwas erholt hat, gilt der Vogel weiterhin als gefährdet. Vor allem der Verlust von Lebensräumen in Steinbrüchen und Störungen an den Brutplätzen machen den Tieren das Leben hierzulande schwer. Und so findet man die Mehrzahl der 850 Uhus in den Mittelgebirgen, den Alpen und in Schleswig-Holstein. Trotzdem lohnt es sich nach dem Tier des Jahres 2005 Ausschau zu halten. Vielleicht begegnet Ihnen ja der Uhu bei einem Ihrer nächsten Spaziergänge und dann kennen Sie ihn nicht mehr nur von der Kleberflasche.

Wildtier des Jahres 2005: Der Bär (von Diana Tuleweit)

Als Deutschland noch ein wildes, weites Land war, gab es auch in heimischen Wäldern Braunbären. Wegen ihres schönen warmen Fells wurden sie jedoch gejagt, so dass vor etwa 170 Jahren diese Wildtierart aus deutschen Wäldern verschwunden war. In den letzten Jahren wurden in den österreichischen Alpen jedoch vereinzelte Exemplare gesichtet, die vermutlich aus Südosteuropa eingewandert sind. Dort, sowie in Schweden und Finnland, ist der Braunbär noch weit verbreitet, in den rumänischen Karpaten gibt es sogar rund 4500 Bären. Die Schutzgemeinschaft Deutsches Wild rechnet damit, dass bald auch wieder Bären nach Deutschland einwandern und hofft, dass sie dann genau so toleriert werden wie der Luchs oder der Wolf. Anspruchsvoll ist der Braunbär nicht gerade, er lebt meist in recht unfruchtbaren, bewaldeten Regionen und ist ein Allesfresser. Denkt man beim Braunbär an das typische Bild vom geschickten Lachsfänger, so stimmt das nicht ganz. Sie bevorzugen pflanzliche Nahrung wie Beeren und Früchte, können aber auch Nagetiere oder Huftiere erlegen. Sie passen ihre Essgewohnheiten dem Angebot vor Ort an, ganz schön menschlich sozusagen. Auch ist der Braunbär gar nicht so riesig wie man immer denkt. Da verschiedene Unterarten der Braunbären von Spanien bis Japan und in den nördlichen Rocky Mountains verbreitet anzutreffen sind, variiert ihre Körpergröße je nach Lebensraum. Natürlich möchte man einem Grizzly- oder Kodiakbären nicht allein im Mondschein begegnen, die europäische Variante des Braunbären ist jedoch deutlich kleiner. Etwa 180 cm groß und mit über 100 KG Gewicht ist ein ausgewachsener Bär immer noch recht stattlich. So gemütlich so ein Bär auch wirken mag, anlegen sollte man sich besser nicht mit ihm. Insbesondere eine Bärenmama kann ganz schnell ungemütlich werden wenn sie ihre Jungen in Gefahr sieht. Die Bärenjungen werden während der Winterruhe geboren und dürfen erst im Frühjahr mit etwa 5 bis 6 Monaten das erste Mal die Höhle verlassen. Wie bei uns Menschen bleiben die Kinder aber noch bis ins zweite Lebensjahr eng bei der Mutter Traurig ist so manches Bärenschicksal im Zoo, wenn er nicht artgerecht gehalten wird, denn ein Bär ist viel Bewegungsfreiraum gewohnt. Auch der Missbrauch von Bären als sogenannte Tanzbären wird leider immer noch vereinzelt gesehen. Akzeptieren wir den Braunbären als das, was er ist: ein schützenswertes Wildtier. Schön, wenn Deutschland wieder ein bisschen "wilder" wird und sich der Braunbär in unseren Wäldern wohl fühlt.

Spinne des Jahres 2005: Zebra-Springspinne (von Inga Vehling)

Wenn man ihn so im Kino beobachtet, könnte man meinen, dass seine Zeichner die Spinne des Jahres 2005 im Blick hatten, als sie ihrem "Spider-Man" die Fähigkeit gaben über die Dächer seiner Heimatstadt zu springen und punktgenau vor jedem Schurken zu landen. Zwar schießt die Zebra-Springspinne ihre Fäden nicht vor sich her und schwingt sich damit von Ast zu Ast, aber sie fängt ihre Beute im Sprung und nutzt ihren Faden dabei wie ein Sicherheitssaal, an dem sie sich im Notfall zurück hangeln kann. Ein Nothalt, von dem sie kaum Gebrauch machen muss, denn beim Sprung der Spinne passt einfach alles!: Die Beine richten sich genauso aus, dass ihr Opfer exakt erreicht wird. Von einer derart fein abgestimmten Hydraulik träumt jeder Techniker und so kommt es, dass auch Konstruktions-Ingenieure ein großes Interesse an den 4-7 Millimeter großen Acht-Beinern haben. Die für den Menschen völlig ungefährlichen Giftklauen und die 8 Augen der Zebra-Springspinne tun ihr übriges zu jedem Jagderfolg. Mit ihren riesigen, wie eine Sonnenbrille wirkenden, vorderen Augen können sie dreidimensional und farbig sehen. 6 weitere ermöglichen sogar den Blick nach hinten und lassen keine Bewegung ihrer Umgebung unbemerkt. Auf dem Speisezettel steht alles, was sich mit den eher kurzen Spinnenbeinen umfangen lässt -unter anderem auch Fliegen, Käfer und Stechmücken. Die Spinne des Jahres kommt in ganz Europa vor. Sie lebt bevorzugt an und in Gebäuden, wohnt aber auch gerne in Zaunpfählen oder in einer Felsspalte. Bei kühlem Wetter oder zur Eiablage zieht sie sich ganz in ihr kleines sackartiges Gespinst in einer Ritze oder Fuge zurück. Sie im Freien zu finden ist denkbar einfach: Sobald es warm wird, kann man die Springspinne an sonnenbeschienen Hauswänden und Steinen beobachten. Nicht zu Letzt durch ihre zebra-artig gestreifte Rückenprägung sticht das kleine Springwunder sofort ins Auge. Womit ja nun auch die Frage geklärt wäre, woher die ZEBRA-Springspinne ihren Namen hat... Wer noch mehr erfahren möchte über die Spinne des Jahres 2005, der kann alles noch einmal auf der Internetseite des Naturschutzbundes Deutschland: www.nabu.de nachlesen. Hier finden Sie auch ein kleines Taktikspiel, dass Ihnen veranschaulicht, wie gut die Augen der Zebra-Springspinne ausgebildet sind. Viel Spaß dabei!

Fisch des Jahres: Bachforelle (von Diana Tuleweit)

Die zu den Lachsfischen zählende Forelle gehört bei uns zu den beliebtesten Speisefischen. Die im Handel erhältlichen See- oder Meerforellen stammen jedoch fast ausschließlich von Zuchtfarmen. Zum Fisch des Jahres wurde vom Verband Deutscher Sportfischer die Wildform der Europäischen Forelle, nämlich die Bachforelle, gewählt. Sie lebt in kalten, sauerstoffreichen Fließgewässern und Seen und ernährt sich von Krebsen, Schnecken, Würmern und kleineren Fischen. Dabei zeigt sie mitunter Raubfischartiges Verhalten. Je nach Nahrungsart und -angebot werden Bachforellen bis zu 60 Zentimeter groß und bis zu 2 Kilogramm schwer. Im Spätherbst sucht die Bachforelle kleine Nebenbäche auf, denn dort, im sandig- kiesigen schnell durchströmten Flachwasser findet sie optimale Bedingungen zum ablaichen. Bachforellen halten sich am liebsten in klaren Gewässern auf, die Versteckmöglichkeiten wie ins Wasser ragende Zweige und Wurzeln sowie große Steine bieten. Noch bis in die 50er Jahre war die Bachforelle noch überall häufig anzutreffen. Heute gehört sie zu den bedrohten Tierarten. Nicht allein die aus Nordamerika eingeführte Regenbogenforelle, die widerstandsfähiger gegen Temperaturanstieg ist, verdrängte die Bachforelle. Durch Begradigung und Verbauung von natürlichen Flussläufen ist der ideale Lebensraum für den empfindlichen Fisch selten geworden. Zudem behindern Staudämme, Wehre oder Wasserkraftwerke ihre Wanderrouten zu Laichplätzen. Durch gezielte Besatzmaßnahmen der Angler ist die Bachforelle wieder häufiger anzutreffen. Unterstützt werden sollte dies aber vor allem durch Renaturierung und Erhaltung von naturnahen, strukturreichen Fließgewässern. Nur so hat die Bachforelle langfristig eine Chance, wieder zum Inventar unserer Naturlandschaft zu werden.

Blume des Jahres 2005: Der Klappertopf (von Holger Hansing)

Die Stiftung zum Schutz gefährdeter Pflanzen hat den Klappertopf zur Blume des Jahres 2005 erklärt. Der ungewöhnliche Name "Klappertopf' stammt von dem aufgeblasenen Fruchtkelch, dem Topf, in dem sich die Samen bei Wind bewegen und ein leises Klappergeräusch verursachen. Seit 1833 wird die Bezeichnung Klappertopf hauptsächlich verwendet, zuvor hieß die Pflanze auch Rassel oder Wiesenklapper. Dieser letzte Name weist auf den Lebensraum der gefährdeten Pflanzenart hin. Der Klappertopf wächst vor allem auf feuchten, nährstoffarmen Wiesen wie Niedermooren, aber auch auf Halbtrockenrasen und Küstendünen. Und gerade auf diese gefährdeten Lebensräume will die Stiftung zum Schutz gefährdeter Pflanzen mit Hilfe des Klappertopfes aufmerksam machen. Denn extensive genutzte Wiesen sind in Deutschland sehr selten geworden. Entwässerung, Düngung und häufige Mahd haben das intensiv genutzte Standardgrünland ohne Blütenpflanzen entstehen lassen. Dies bietet jedoch keinen Lebensraum für den Klappertopf, der inzwischen auf der Roten Liste der gefährdeten Pflanzen zu finden ist. Und das obwohl die Pflanze ursprünglich überall in Deutschland vorkam Unsere Vorfahren kannten die bis zu 70 cm große Pflanze gut, da sie früher auf vielen Wiesen zu finden war und dort zwischen Mai und August ihre zitronengelben Blüten zeigte. Die Bestäubung der Klappertopfblüten erfolgt fast ausschließlich durch Hummeln, selten durch Falter. Die bis zu 4.5 mm großen Samen besitzen einen Flügelsaum, so dass eine Windverbreitung möglich ist. Die Pflanze ist nur einjährig und überdauert den Winter als Samen Eine Besonderheit weist der Klappertopf außerdem auf, er ist ein Halbschmarotzer, d.h. er zapft die Wurzeln von benachbarten Gräsern an um sich mit Wasser und Mineralsalzen m versorgen. Als Halbschmarotzer stellt er seine Nährstoffe mit Hilfe seiner grünen Blätter selbst her - er betreibt eigenständig Fotosynthese Der Klappertopf zählt zu den Braunwurzgewächsen. Zu dieser Pflanzenfamilie gehören auch Königskerze, Ehrenpreis, Fingerhut oder auch das Löwenmaul. Wenn Sie das Klappern des Klappertopfes nächstes Jahr in Ihrem Garten gerne hören möchten, dann lassen Sie sich von uns eine Samentüte schenken. Wir überreichen Ihnen eine Samentüte, wenn Sie uns eine Email schicken. Gehen Sie ganz einfach auf unsere Internetseite und senden Sie uns eine Email. Unsere Internetadresse lautet www.buerger-funk.de