ÖKO - das Umweltmagazin zwischen Weser und Wiehen


im Bürgerfunk von Radio Westfalica (auf 95,7 und 106,6)

Die Juli-Sendung
Montag, 18. Juli 2005
18:04 bis 19:00 Uhr
Moderation: Inga Vehling, Jörn Schunk
Technik: Diana Tuleweit
Beiträge:
* Serie „Erneuerbare Energien“:
Wärmepumpen
* Serie „Lebewesen des Jahres“:
Bachforelle
* Anti-Atom-Demonstration in Bad Oeynhausen (siehe Foto)
* Umweltsiegel: Blauer Engel
* Fahrradfreundliches Minden ?
* Fledermäuse

Die einzelnen Beiträge :

"Erneuerbare Energie": Wärmepumpen(von Jörn Schunk)

Wir alle nutzen Kühlschränke zum kühlen unserer Lebensmittel. Dazu zirkuliert in einem geschlossenen Kreislauf in dem Gerät ein so genanntes Kältemittel. Dieses Kältemittel nimmt Wärme im Kühlschrankinneren auf und gibt sie an der Geräterückseite wieder an die Umgebung ab. Eine Wärmepumpe funktioniert nach dem gleichen Prinzip, nur das hier keine Kälte sondern die Wärme der Umgebung genutzt wird. Die Wärmepumpe entnimmt Wärme auf einem niedrigen Temperaturniveau aus einer äußeren Wärmequelle, z. B. Erdreich, Grundwasser oder Außenluft. Diese Wärme wird auf ein höheres Temperaturniveau angehoben, so dass sie für eine Heizungsanlage genutzt werden kann. Für diesen Temperaturhub benötigt die Wärmepumpe eine Antriebsenergie. Ziel einer guten Wärmepumpe ist es, dass die aus der Umwelt entnommene Wärme um ein Mehrfaches größer ist als die zur Temperaturanhebung erforderliche Antriebsenergie. Wärmepumpenanlagen bestehen aus der Wärmepumpe selbst, einer Wärmequelle und einer Wärmenutzungsanlage. Die Funktion der Wärmepumpe beruht auf dem thermodynamischen Kreisprozess und benötigt ein Kältemittel, dass auch bei möglichst niedrigen Temperaturen verdampfen kann. Heute werden meist Kohlenwasserstoffe wie z. B. Propan oder Fluorkohlenwasserstoffe eingesetzt. Im Einsatz befinden sich überwiegend Kompressionswärmepumpen, die mit Elektro- oder Gasmotoren betrieben werden oder Absorptionswärmepumpen die einen thermischen Verdichter nutzen. Als Wärmequelle dienen Erdwärme, Grundwasser oder die Umgebungsluft. Je nach Verfahren muss ein z. T. erheblicher Aufwand betrieben werden, um die Wärmequelle konstant und sicher nutzen zu können. Das macht den Einsatz einer solchen Technik im Verhältnis zu heute üblichen Heizsystemen recht teuer. Trotzdem kann sich der Einsatz durchaus lohnen. Entscheidend für die Wirtschaftlichkeit aber auch die Umweltfreundlichkeit einer Wärmepumpenanlage ist die so genannte Jahresarbeitszahl. Sie gibt das Verhältnis zwischen Antriebsenergie und gewonnener Umgebungswärme an. Moderne Erdwärme- oder Grundwasserwärmepumpen erreichen mittlere Jahresarbeitszahlen bis 4,5. Das bedeutet, dass mit 1 kWh eingesetzter elektrischer Antriebsenergie 4 bis 4 ˝ kWh Wärme aus der Wärmequelle entnommen und in einem Heizsystem genutzt werden können. Bedenkt man, dass heutige Kraftwerke nur einen Wirkungsgrad von rund 36 % besitzen, bedeutet das, dass eine Wärmepumpe zum umweltfreundlichen Betrieb also mindestens eine Jahresarbeitszahl von größer drei benötigt. Je höher desto besser. Während in der Schweiz über 30 % der Hausheizungen Wärmepumpensysteme sind, macht ihr Anteil in Deutschland lediglich 2 % aus. Trotz dieser ernüchternden Zahl stellen Wärmepumpen unter Beachtung spezieller Rahmenbedingungen ein wirtschaftlich und umweltfreundliches Heizsystem dar, dessen Potentiale in Deutschland noch deutlich ausgeweitet werden können. Zum Schluss noch der Hinweis auf unsere Septembersendung, in der wir uns den Stirlingmotor etwas genauer ansehen werden.

Blauer Engel (von Inga Vehling)

Auf dem Toilettenpapier hat ihn jeder schon mal gesehen -und spätestens seit man ihn auf einigen Wandfarben finden kann, ist er auch denen ein Begriff, die sich vornehmlich in den Regalen der Baumärkte auskennen. Die Rede ist vom ältesten Umwelt-Siegel der Welt: dem blauen Engel. Bereits seit 1977 zeichnet dieses kleine weiß-blaue Etikett besonders umweltfreundlich hergestellte Gegenstände des täglichen Lebens aus. Lange schon beschränkt sich der blaue Einkaufshelfer nicht mehr nur auf Papier und die gute alte Raufaser-Tapete. Auch Möbel, Handys, Laptops, Autoreifen und sogar verschiedene Dienstleistungsunternehmen wie Autowaschanlagen und Verkehrsbetriebe können Träger sein. Die Richtlinien für die Vergabe legt die "unabhängige Jury Umweltzeichen" für jede einzelne der über 90 Produktgruppen immer wieder neu fest. Wichtigster Orientierungspunkt ist dabei der aktu-ellste Stand der anwendbaren Technik. Berücksichtigt wird der gesamte Lebensweg eines Produktes von der Gewinnung der Rohstoffe bis hin zu seinen Eigenschaften beim Verbraucher. - So reicht es zum Beispiel nicht aus, wenn bei der Herstellung eines Möbelstückes statt Urwaldhölzern nur Holz aus nachhaltig bewirtschafteter Forst-wirtschaft verwendet wurde. Auch Verpackung, die Recyclebarkeit der Materialien und die Emissi-onseigenschaften im späteren Gebrauch werden berücksichtigt. Der blaue Engel ist also nicht nur ein Umweltzeichen, sondern auch ein Gesundheitszeichen! Mit dem Kauf der ausgezeichneten Produkte setzen auch Sie Zeichen, denn Sie zeigen, dass Ihnen die Umweltverträglichkeit beim Einkauf wichtig ist. Bereits die Hälfte der Menschen in den alten und rund ein Drittel der Verbraucher in den neuen Bundesländern tun das Gleiche. Das stärkt die Unternehmen, die schon heute mit dem blauen En-gel ausgezeichnet sind und lässt Neue aufmerksam werden auf den umweltbewussten Markt. Noch in kleiner Tipp: Grade bei Handys und Laptops lohnt sich der Blick auf den kleinen blauen Etikett-Zusatz, denn hier liegt der Vergabeschwerpunkt der Jury bei der Strahlung bzw. beim Ener-gieverbrauch. Wer möchte beim Mobil-Telefonieren schon einer höheren Strahlung als unbedingt nötig ausgesetzt sein??? Eine Liste mit den Richtlinien der Jury und auch mit ausgezeichneten Produkten finden Sie auf der Internet-Seite www.blauer-engel.de

Anti-Atom-Demonstration in Bad Oeynhausen (von Holger Hansing)

Ein kühler Montagnachmittag Anfang Juni in Bad Oeynhausen. Eine Gruppe Atomkraftgegner steht auf der Hauptverkehrsader Bad Oeynhausens und demonstriert gegen den Transport von Atommüll durch ihre Stadt. Zur Einstimmung liest der Organisator der Demonstration, Berthold Keunecke, die Grußworte des Osnabrücker Anti-Atom-Forums per Megaphone vor: "Am Ende der Atomspirale steht die große Frage, wohin mit dem Müll und sämtliche politische Versprechen laufen, wie schon vor Jahrzehnten vermutet, den Bach runter. Was steckt jedoch hinter diesem Unfug, warum tun Menschen sich nicht selbst und anderen, ja dem ganzen Planeten eine solche Gefahr an, ganz einfach Atomenergie ist bequem. Bequemlichkeit ist oft das Ende aller Tage." Einige Demonstranten sind an diesem Tag ganz und gar nicht bequem. Denn sie kommen nicht aus der Umgebung Bad Oeynhausens, sondern sind beispielsweise aus dem Münsterland angereist, um ihre Ablehnung gegen die Atommülltransporte ins Endlager nach Ahaus zu zeigen. Eine junge Frau aus Steinfurt berichtet Folgendes über ihr Engagement: "Ja, ich wohne in Steinfurt und Steinfurt ist umgeben von Atomanlagen, in Lingen ist ein AKW, in Ahaus das vermeintliche Endlager, in Gronau die Wiederaufarbeitungsanlage und ich setz mich überall gegen Atomkraft ein, darum bin ich jetzt auch nach Oeynhausen gekommen." Neben dem Anti-Atomforum Ostwestfalen-Lippe setzen sich auch die Internationalen Ärzte zur Verhinderung des Atomkrieges gegen den Transport des Atommülls im Castorbehälter ein. Als Mitglieder dieser Ärztevereinigung berichtet der in Bad Oeynhausen wohnende Arzt Dr. Jürgen Bredtschneider über die Gefahren des Atommülls: "Es ist also so, dass Radioaktivität an die Luft abgegeben wird und wir die dann mit der Luft einatmen, dass sie sich auf den Boden niederschlägt, sich im Gras niederschlägt, von den Kühen gefressen wird, die Milch wird radioaktiv und so weiter" "Und für jeden […] ist klar, dass Radioaktivität Krebs erzeugen kann, Leukämie erzeugen kann, und insofern muss man sich engagieren, kann man das im Interesse der nachfolgenden Generationen nicht einfach hinnehmen." Nach diesen klaren Worten zieht der Widerstandszug weiter. Die 100 Aktivisten gehen mit großen Plakaten durch die Innenstadt Bad Oeynhausens. Dabei fordern die Atomkraftgegner zum einen die zuschauenden Bürger zur Teilnahme am Demonstrationszug auf zum anderen wettern die Demonstranten gegen die Atomindustrie - aber hören Sie selbst: "Hinter dem Atommüll steht das Kapital, der Kampf um Befreiung ist international." "Aufruhr, Widerstand, es gibt kein neues Hinterland." "Wir stelln uns quer.""Bürger, wehrt euch, der Castor rollt durch eure Stadt" "Stoppt die Atomindustrie" Viele Autofahrer hatten kein Verständnis für diese Verkehrsbehinderung sie hupten. Das Hupen störte die entschlossenen Demonstranten jedoch nicht. Sie besetzten für ca. 20 Minuten die Mindener Straße mit ihren Sprechchören und Sambarhythmen. Auch wenn an diesem Tag der Castortransport nicht durch Bad Oeynhausen rollte, sondern die südliche Route von Dresden nach Ahaus nahm, fanden es viele Demonstranten dennoch wichtig, auf die Gefahren der Atommülltransporte aufmerksam gemacht zu haben. Immerhin fuhren 951 radioaktive Brennelemente über 600 km mit dem LKW quer durch Deutschland.

Lebewesen des Jahres: Bachforelle (von Diana Tuleweit)

Die zu den Lachsfischen zählende Forelle gehört bei uns zu den beliebtesten Speisefischen. Die im Handel erhältlichen See- oder Meerforellen stammen jedoch fast ausschließlich von Zuchtfarmen. Zum Fisch des Jahres wurde vom Verband Deutscher Sportfischer die Wildform der Europäischen Forelle, nämlich die Bachforelle, gewählt. Sie lebt in kalten, sauerstoffreichen Fließgewässern und Seen und ernährt sich von Krebsen, Schnecken, Würmern und kleineren Fischen. Dabei zeigt sie mitunter Raubfischartiges Verhalten. Je nach Nahrungsart und -angebot werden Bachforellen bis zu 60 Zentimeter groß und bis zu 2 Kilogramm schwer. Im Spätherbst sucht die Bachforelle kleine Nebenbäche auf, denn dort, im sandig- kiesigen schnell durchströmten Flachwasser findet sie optimale Bedingungen zum ablaichen. Bachforellen halten sich am liebsten in klaren Gewässern auf, die Versteckmöglichkeiten wie ins Wasser ragende Zweige und Wurzeln sowie große Steine bieten. Noch bis in die 50er Jahre war die Bachforelle noch überall häufig anzutreffen. Heute gehört sie zu den bedrohten Tierarten. Nicht allein die aus Nordamerika eingeführte Regenbogenforelle, die widerstandsfähiger gegen Temperaturanstieg ist, verdrängte die Bachforelle. Durch Begradigung und Verbauung von natürlichen Flussläufen ist der ideale Lebensraum für den empfindlichen Fisch selten geworden. Zudem behindern Staudämme, Wehre oder Wasserkraftwerke ihre Wanderrouten zu Laichplätzen. Durch gezielte Besatzmaßnahmen der Angler ist die Bachforelle wieder häufiger anzutreffen. Unterstützt werden sollte dies aber vor allem durch Renaturierung und Erhaltung von naturnahen, strukturreichen Fließgewässern. Nur so hat die Bachforelle langfristig eine Chance, wieder zum Inventar unserer Naturlandschaft zu werden.

Fledermäuse im Kreis (von Thomas Reckeweg)

Die Fledermäuse - sie leben heimlich, fliegen erst des Nachts los auf Beutejagd und ihr Flug ist so gut wie lautlos. Alle diese Eigenschaften haben die Fledermäuse in den Ruf gebracht mit dem Teufel im Bunde zu stehen. So war es jedenfalls im Mittelalter, doch auch heute noch fürchten oder ekeln sich viele vor ihnen. Eigentlich vollkommen grundlos, denn aus der Nähe betrachtet sehen Fledermäuse recht niedlich aus. Und jeder, der Fledermäuse einmal aus relativer Nähe sehen wollte, konnte sich vor einigen Wochen am Mindener Glacis einfinden. Denn dort war der Startpunkt einer von der Biologischen Station Minden geplanten Fledermausexkursion, die von Sandra Meier, einer Dipl. Landschaftsökologin, durchgeführt wurde. Sandra Meier setzt sich aktiv für den Schutz der Fledermäuse ein und so ging es ihr nicht darum, die Tiere zur Schau zu stellen, sondern den Exkursionsteilnehmer zu vermitteln, welche Fledermausarten es überhaupt noch in unserer Region gibt: "Hervorstechend sind in unserem Kreis die "Großen Mausohren" oder auch die Bechsteinfledermaus. Beide Arten sind besonders geschützt und sind auch europaweit geschützt. Ganz typische Arten sind auch die "Zwergfledermaus" oder auch der "Große Abendsegler"." Zu Beginn der Exkursion ging es auf die Fußgängerbrücke. Von dort aus wollten wir Ausschau nach den sogenannten Großen Abendseglern halten. Diese werden eigentlich schon in der einsetzenden Dämmerung aktiv. Leider zeigte sich keines dieser Tiere am frühen Abendhimmel und so zogen wir weiter in das nun immer dunkler werdende Glacis. Hilfreich, um die Tiere zu finden, war dabei Sandra Meiers sogenannter Bat-Detektor, ein Mikrofon, an das zwei kleine Lautsprecher gekoppelt sind, die die Ultraschalltöne der Fledermäuse in für Menschen hörbare Geräusche umwandelt. Was sich ungefähr so anhörte... So war es für uns möglich einige Exemplare mit dem Auge und Ohr zu erfassen. Richtig interessant wurde es, als wir an einem kleinen Tümpel Halt machten, denn hier konnten wir einige Wasserfledermäuse dabei beobachten, wie diese Jagd auf Insekten machten, die sich dicht über der Wasseroberfläche aufhielten. Sandra Meier gelang es dabei immer wieder geschickt, die Wasserfledermäuse mit ihrer Taschenlampe anzuleuchten. Wie die Wasserfledermäuse ernähren sich auch alle anderen in Deutschland vorkommenden Arten hauptsächlich von Insekten und übernehmen somit in der Nacht die Aufgabe der Vögel. Wenn es keine Fledermäuse gäbe, könnten sich die nachtaktiven Insekten ungehindert vermehren, denn Fledermäuse sind die einzigen Tiere, die nachts Mücken, Schnaken, Fliegen und Nachtschmetterlinge erbeuten. Leider können die Fledermäuse diese wichtige ökologische Funktion nicht mehr überall ausüben, weil sie immer seltener werden. Dazu die Fledermausexpertin Sandra Meier: "Unsere heimischen Fledermäuse sind in der Tat bedroht. Alle unsere heimischen Arten stehen mehr oder weniger auf der Roten Liste." Aber auch im Mühlenkreis gibt es einige Bestrebungen die gefährdeten Fledermäuse zu schützen und über gezielte Maßnahmen die natürlichen Mückenvertilger zu fördern. Sandra Meier betont die Bedeutung einer besonderen Schutzmaßnahme: "Besonders gut ist, dass hauptsächlich Winterquartiere geschützt werden. Die bekannten Winterquartiere werden einbruchsicher verschlossen, damit die Winterruhe der Fledermäuse nicht gestört werden kann." Alles in allem war diese Exkursion eine spannende Reise ins nächtliche Leben der Fledermäuse. Alle Teilnehmer haben nicht nur viel über die Flattertiere gelernt, sondern auch Spaß an Naturbeobachtungen entwickelt, die nicht alltäglich sind.